BezeichnungInhaltBezeichnungInhalt
Name:FB 5/1837/11  
Art:Vorlage zur Kenntnis  
Datum:20.05.2011  
Betreff:NRW-Initiative gegen Jugendkriminalität: Projekt "Kurve kriegen"
DokumenttypBezeichnungAktionen
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Dokument anzeigen: Kooperationsvereinbarung Kurve kriegen Dateigrösse: 104 KB Kooperationsvereinbarung Kurve kriegen 104 KB

Sachdarstellung/Begründung zur Kenntnis:

 

Das Ministerium für Inneres und Kommunales NRW hat zum 01.11.2010 eine Projektgruppe zur Prävention von Jugendkriminalität eingerichtet. Zur Umsetzung der Handlungsempfehlungen der Enquetekommission zur Erarbeitung von Vorschlägen für eine effektive Präventionspolitik in Nordrhein-Westfalen hat diese Projektgruppe ein Maßnahmenkonzept entwickelt, das auf den Erkenntnissen dieser Enquetekommission basiert.

 

Eine zunehmende Anzahl von Kindern und Jugendlichen, die der Polizei schon früh durch Straftaten auffallen, werden zu Intensivtäterinnen und –tätern, die ein hohes Gewaltpotenzial haben und sehr viele Straftaten begehen. Hierbei zeigen die Erfahrungen der Polizei, dass Intensivtäterinnen und -täter bereits vor dem 14. Lebensjahr durch Gewalt- und Eigentumsdelikte auffallen. Im vergangenen Jahr gab es in NRW 3.969 mehrfachtatverdächtige Kinder und Jugendliche, die rund 30.000 Straftaten begingen. Damit verübten sechs Prozent der tatverdächtigen Kinder und Jugendlichen fast ein Drittel aller Straftaten ihrer Altersgruppe.

Kriminalprävention muss deshalb so früh wie möglich und gezielt ansetzen. Aus diesem Grund hat das Ministerium für Inneres und Kommunales das Projekt „Kurve kriegen“ initiiert.

 

Zielgruppe des Projektes sind Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren, die

 

-       mindestens eine rechtswidrige Gewalttat oder

-       drei schwere Eigentumsdelikte begangen haben

 

und deren Lebensumstände von so vielen Problemen belastet sind, dass ein dauerhaftes Abgleiten in die Kriminalität droht.

 

Die Polizei erfährt als erstes davon, wenn Kinder Straftaten begehen. Deshalb soll den Modellbehörden, die sich an dem Projekt beteiligen, ermöglicht werden, gezielt und umsichtig zu helfen, damit Kinder und Jugendliche noch die „Kurve kriegen“. Die pädagogische Arbeit der Jugendämter soll durch das Projekt ergänzt werden. Geplant ist, pädagogische Fachkräfte in die Teams der Polizei einzubinden. Diese kümmern sich dann vor allem um strafunmündige Kinder, die zu der o. g. Zielgruppe gehören. Das Team aus Polizei und pädagogischer Fachkraft soll sich eng mit den Jugendämtern abstimmen und Eltern in das Konzept einbeziehen. Die pädagogische Fachkraft in dem Polizeiteam soll eigene präventive Maßnahmen zur dauerhaften sozialen Integration initiieren (Lernhilfen, Sprachkurse, Sportkurse). Die Betreuung soll mindestens zwei Jahre dauern. Notwendige Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe erfolgen wie bisher über das zuständige Jugendamt.

 

Der Kreis Wesel gehört neben den Städten Aachen, Bielefeld, Dortmund, Duisburg, Hagen, Köln sowie dem Rhein-Erft-Kreis zu den 8 Modellregionen im Land. Nach Vorgabe des Ministeriums für Inneres und Kommunales soll die Kooperation zwischen Polizei, pädagogischer Fachkraft im Team der Polizei und den jeweiligen Jugendämtern in den Modellregionen im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung verbindlich festgelegt werden.

Im Kreis Wesel sind an der Umsetzung des Projektes „Kurve kriegen“ der Kreis Wesel als Kreispolizeibehörde und die 4 Städte Dinslaken, Kamp-Lintfort, Moers und Wesel beteiligt. In mehreren Arbeitssitzungen wurde die praktische Umsetzung des Projektes „Kurve kriegen“ zwischen den genannten Projektteilnehmern abgestimmt und eine ortsbezogene Projektvereinbarung erarbeitet. Die Projektvereinbarung wurde am 23.05.2011 von Vertretern des Ministeriums für Inneres und Kommunales und der beteiligten Kommunen unterzeichnet.

 

Da aktuell nicht absehbar ist, ob die zugesagte Steuerungsmöglichkeit durch das Jugendamt in der Praxis umgesetzt wird sowie ob der mit der Projektteilnahme verbundene Arbeitsaufwand vorrangig bei der Kreispolizeibehörde liegen wird und vom Jugendamt der eigene Anteil beeinflusst werden kann, hat die Stadt Wesel ihre Teilnahme an die Voraussetzung geknüpft, dass ein Ausstieg aus dem Projekt nach einem halben Jahr möglich ist, sofern der Arbeitsaufwand die zur Verfügung stehenden Ressourcen im Team Soziale Dienste übersteigt.

 

 

 


Anlagen:

 

Kooperationsvereinbarung zur Prävention von Kriminalität im Kindes- und Jugendalter